Windows vs Linux aus Developer-Perspektive

Nachdem ich mehr und mehr mit Servergefrickel unter Debian zu tun hatte und mich die Installation von CouchDB unter Windows fast zur Weißglut getrieben hat, hab ich mich für Ubuntu 10.04 – vorerst als Multiboot – entschieden. Hier will ich nun ein paar meiner Erfahrungen zusammenstellen, die mich beim Umstieg so getrieben haben.

Installation / Multi-Boot

Ubuntu macht das ganz sauber, Installation ist DAU-Konform. GRUB wird korrekt eingerichtet, sodass man beim Booten wie gewünscht das OS wählen kann, joa – super. Alternative ist für Ubtunu WUBI, der sich in einen Container in euer Windows einnistet und somit keine “echte” Parallelinstallation erfordert. Weiterhin kann man auch VirtualBox oder eine andere VM strapazieren, was ich aber nicht sonderlich klasse finde – Performance unterm Laptop, umswitchen etc. ist dann doch nicht so flüssig wie unter der nativen Installation.

Apache / PHP

Unter Windows XAMPP, unter Linux

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sudo apt-get install apache2
sudo apt-get install php5
sudo apt-get install libapache2-mod-php5

1:0 für Linux in der Hinsicht. Konfiguration der ini-Files wie gehabt.

IDE

Netbeans / Eclipse laufen beide gefühlt deutlich träger als unter Windows. Das ist schonmal ein dicker Brocken weil man am Tag durchaus paar Stunden in der IDE unterwegs ist. Unter PHP ists noch okay, aber Java ist kaum zu ertragen. Nach Abschalten der Autocomplete-Funktion ists zu ertragen, allerdings entgeht einem auch viel dadurch. Es steht 1:1.

IM

Miranda + Skype unter Windows, Pidgin und Skype Beta unter Linux – läuft genauso smooth wie gewohnt, Umstieg geht ratzfatz. Anfangs hab ich mich dran gestört, wie Pidgin aussieht (ich mags minimalistisch), aber man gewöhnt sich bekanntlich an alles. Und auf großes rumtweeken hab ich bei sonem Nebenthema auch keine Lust. Skype läuft auch wunderbar unter Linux – 2:2.

Office

Ganz ehrlich – Word ist einfach geil! Wenn man sich Word 2010 und OpenOffice 3.2 im direkten Vergleich nebeneinander anschaut, kann es nur einen geben. Ich hab garkeine richtige Lust, mich in OpenOffice einzuarbeiten, weil es sowieso nicht gegen Word anstinken können würde – ganz klare Nummer, 3:2 für Windows.

Browser

Hrhr, mein Lieblingsthema – bin Browserfetischst. Ubuntu hat mich irgendwie mit Chromium (Open-Source Version von Google Chrome) verkuppelt – sauschnell und an Plugins ist mittlerweile auch alles verfügbar was ich unter Firefox geschätzt habe. Der Inspector von Chrome kann zwar nicht 100% mit Firebug mithalten, aber dafür ist Chromium einfach derbe fix. Mein erstes eigenes Plugin habe ich ich 40min entwickelt, da kann Jetpack (noch) nicht mithalten. Joa, sonst habe ich unter Linux noch Firefox installiert (war native dabei). Das leidige Thema IE ist unter Linux halt so ein Problem. Es gibt zwar das gutgemeinte Softwarepaket IE4Linux – hat bei mir aber garnicht hingehaun, nur fiese Exceptions und Programmabstürze. Für so Zwecke switcht man dann halt doch zurück zu Windows und dem IETester, oder installiert (für die alleinigen Linux-Nutzer) Windows in der VM. Alles in allem unentschieden in dem Punkt – 4:3 für Windows.

SQL-Tools

MySQL Query Browser

MySQL Query Browser

Unter Windows war ich begeisterter Heidianer, unter Linux bin ich bisher mit dem fiesen MySQL Querybrowser zugange. Kann für mich in keinem Punkt mit der Heidi konkurieren – miese Usability, es fehlen Funktionen und alles ist ein Tick umständlicher. Man kriegt zwar irgendwie auch alles hin, aber es tut mehr weh. Heidi unter Wine laufen zu lassen ist keine gute Idee – läuft mies instabil. Kann aber gut sein, dass es hier noch was anständigeres als Alternative zum Query-Browser gibt, deswegen lass ich den Punkt mal unbewertet.

Editoren

scite

scite

Notepad++ unter Windows gegen den (auch auf der SCIntilla-Engine basierenden) Scite ist ein totes Rennen. Beides sehr gute Editoren, auch wenn Notepad++ ein Tick besser “customizable” ist und mehr Plugins anbietet. Syntax-Highlighting klappt aber super. Nur das Konfigurieren ist frickelig. Schrift umstellen, Line-Numbers anzeigen und Einrückverhalten ändern erforder einen Eingriff in die Konfigurationsdatei /usr/share/scite/SciTEGlobal.properties als root – mieser Komfort. Der Standardeditor gedit ist übrigens wesentlich brauchbarer als das Windows-Notepad, aber trotz allem nicht ausreichend für mich gewesen. Bleibt ein Unentschieden in diesem Punkt, womit wir ein 5:4 für Windows haben.

FTP-Programme

coreftp

coreftp

Mag für manchen kein bedeutender Punkt sein, ich bin da aber schon pingelig. Meine Anforderungen an ein gutes FTP-Programm: gescheite SFTP-Unterstützung, anständige Verwaltung der Favoriten mit Import/Export und komfortable Parallelbearbeitungsmöglichkeit mehrerer Dateien direkt auf dem Server – dafür bin ich auch gern bereit, Geld auszugeben. Unter Windows: SmartFTP. Macht mich rundum glücklich (keine Freeware!). Unter Linux hab ich mich erst mit Filezilla rumgeärgert, bis ich dann CoreFTP gefunden habe. Macht auf den ersten Blick einen guten Eindruck und erfüllt auch alle meine Kriterien, der Teufel liegt aber hier auch im Detail – es ist einfach nicht so ausgereift und bedient sich fies hakelig . Verbuche das trotzdem mal als unentschieden – 6:5 für Windows.

Media-Player

rhythmbox

rhythmbox

Windows: VLC und Foobar – Traumhafte Kombo. Linux: VLC und Rhythmbox. VLC ist auf beiden Betriebssystemen ebenbürtig, allerdings finde ich Rhythmbox noch einen Tick besser als Foobar (Anbindung an last.fm, Onlineradio, genauso minimalistisch wie foobar) – Sieg für Linux, damit 6:6.

Flash (!)

What? Ein eigener Punkt für ein Browserplugin? Ja! Flash scheint unter Ubuntu so miserabel implementiert zu sein, dass es der CPU viel mehr Gerechne abverlangt. Resultat: Mein betagtes Laptop ist kontinuierlich bei ca. 100 °C Coretemp, was zu einer Runtertaktung des Corespeeds führt und letztendlich zu einer fies ruckelnden Wiedergabe. Alternativen (swfdec, gnash…) sind keine wirklichen Alternativen. Das Problem scheint eines der häufigst thematisierten im Ubuntu-Forum zu sein. Klares 7:6 für Windows.

“Programmgrundaustattung”

Die nativen Archivier-Funktionalitäten sind in Ubuntu besser, auch PDF bringts von Haus aus mit. Dann halt noch das Riesenargument “Shell” – kein Putty mehr für ssh installieren, direkten Zugriff auf Systeminterna – da fühlt man sich gleich wohl. Mir fehlt allerdings ein billiges Grafikprogramm, wo ich schnell was mit zusammenbasteln kann (Paint). Trotzdem gewinnt hier Linux, womit es 7:7 steht.

Gesamtfeeling & Fazit

Ubuntu Desktop

Ubuntu Desktop

Unter Linux ists einfach saubequem, “programmierbezogene” Software / Pakete zu installieren. aptitude / apt-get / Synaptic-Paketmanager / integrierte Softwareverwaltung und 98% der relevanten Pakete sind in ein paar Klicks / Tastenanschlägen fertig eingerichtet und konfiguriert. Grad für den Entwickler ist das ein Traum (svn, git, openvpn, …). Auf der Gegenseite steht ein gefühlt weniger stabil laufendes System mit verbleibenden Kinderkrankheiten – die bei Windows meines Erachtens nach weniger störend auffallen. Man kann beide Betriebssysteme gut verwenden, ich ärgere mich aber insgesamt weniger über Windows – wohingegen das Konfigurieren / installieren von Paketen unter Linux wesentlich besser von der Hand geht – bleibt das Unentschieden und die Aufforderung, sich ein eigenes Urteil zu bilden.

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2 Antworten auf Windows vs Linux aus Developer-Perspektive

  1. demonkoryu sagt:

    Ich bin letzte Woche auf Linux Mint mit Cinnamon-Desktop umgestiegen. Die Geschwindigkeit ist ungefähr die gleiche wie bei Windows 7, die Browser-Plugins etc. funktionieren alle. Installation war wesentlich einfacher. Nimmt man nun noch den wesentlich besseren Tool-Support und die bessere Integration mit Linux-Servern dabei, ist Linux mittlerweile wesentlich besser als Windows, um PHP-Anwendungen zu entwickeln!

  2. dkr sagt:

    Sehr nett, ähnelt dem was ich denke, doch bin ich auch mal gern mit Ubuntu am entwickeln. Wenn ich dir einen Tipp geben darf: Als FTP/SFTP Alternative empfehle ich WinSCP. Das Tool kann sogar komplette Ordnerstruktueren synchron halten und bietet u.A. mit einem Klick den Direktzugriff per PuTTY. Arbeite seit Jahren nicht mehr mit anderem Programm, da es wirklich alles kann.

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